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aussergewöhnlich

Champagnerselige Engel

Stell Dir einen Raum vor. Du weißt Dein Leben lang, dass es ihn gibt, Du glaubst an seine Existenz. Dein Leben läuft… mal gut, mal schlecht. Du könntest zufrieden sein, doch das Bild des Raumes verschwindet nie. Weil Du weißt, dass genau dort verborgen liegt, was Dich niemals zur Ruhe kommen lassen wird. Du suchst Dein Wohl in vielen Dingen, aber diese Dinge, sie sind ganz brauchbar – und doch nicht das, wonach Du suchst.

Aber irgendwann willst Du nicht mehr warten, Du begibst Dich auf den Weg, auf die Suche. Und plötzlich ist der Raum da. Genau, wie Du ihn Dir vorgestellt hast. Vollkommen, grenzenlos, frei. Die Wände, sie öffnen immer wieder neue Türen und hinter jeder dieser Türen sind noch mehr Räume. So viele, dass Dein Kopf schmerzt. Du kannst Dein Glück nicht fassen, denn jeder ist gefüllt mit dem, was Dich Dein Leben lang nicht ruhen ließ, mit der Frage nach dem Sinn Deiner Existenz.

Um im Bild zu sprechen:

Du sitzt in einem Flugzeug, dessen Reiseziel Dir vollkommen unbekannt ist. Turbulenzen sind immer zu erwarten, weil an Deinem Himmel eine Kraft am Werke ist, die Dich zu Kurzschlusshandlungen verleitet – weder Dir noch Deinen Mitreisenden zuträglich. Du könntest plötzlich den Wunsch verspüren, mit dem Fallschirm abzuspringen oder versuchen, die Passagiere mit einer pathetischen Grundsatzrede von einer komplett anderen Reiseroute zu überzeugen – worauf diese allerdings gar keine Lust haben. Deshalb bleibst Du angegurtet. Und dann wünschst Du Dir, Du könntest nur einmal wenigstens so tun, als wäre es nicht so.

Nicht leicht, sich dann dem Alltag zu widmen, konzentriert zu arbeiten, geschweige denn noch irgendetwas wie Freude daran zu finden. Und doch ist diese rationale Existenz das Fundament für das eigentliche Glück unserer Seelen. Manchmal denke ich – der größte Widerspruch an sich. Der Grund, weshalb manch wacher Mensch daran zerbricht.

Aber wer etwas Außergewöhnliches leben will, muss mutig sein und Gelegenheiten nutzen, auch wenn sie riskant erscheinen. Mir bedeutet nichts so viel, dass ich es aus Angst, es zu vermasseln, nicht mache. Denn zumeist schaffe ich es, in irgendeinem hinreißenden Hideaway wieder zu mir selbst zu finden. Dann verlasse ich ungern den Raum bis zu dem Moment, in dem ich mal meine Fenster öffne und schaue, was in der Welt so vor sich geht.

Vielleicht liegt es an dieser mich dauerhaft begleitenden Schar champagnerseliger Engel, die beschlossen haben, mir Auszeiten vom selbstlosen Aktionismus zu bescheren und ihn auf Standby-Modus herunterfahren. Die auf ihrer Wolke hocken, von oben zuprosten und mich kichernd auffordern, Disziplin und Selbstkontrolle zu behalten. Dann fauche und brülle ich und mein überarbeiteter Verstand, der dringend eine Ruhepause braucht, wird sediert und ich habe höllischen Spaß daran, die nicht mehr zu verbergende Wahrheit – mit allen Stärken und Schwächen, die zum Menschsein gehören – zuzulassen. Dann ist meine Geduld erschöpft, moralische Instanzen dahin gefegt und ich besinne mich auf meine schon zu lang vernachlässigten Spielräume. Denn die lassen sich aus meinem Leben weder in den Tiefschlaf singen noch verbannen. Darauf stoßen die Engel an. Darauf und auf die Nüchternheit heilsamer Unruhe, welche die Chaosforschung kapitulieren lassen dürfte.

Sasha

 

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